FRITZ!Box 6591 Cable Provider-Branding entfernen
Posted on Mon 29 June 2026 in uncategorized
Ich habe mir vor kurzem auf Kleinanzeigen eine FRITZ!Box 6591 Cable gekauft und erst zu spät gemerkt, dass sie vom Provider ein Branding verpasst bekommen hat. Das wollte ich entfernen, um die FRITZ!Box mit dem normalen AVM FRITZ!OS zu betreiben und alle Features nutzen zu können. In diesem Blogpost beschreibe ich, wie ich das erreicht habe.
Orientiert habe ich mich an der Anleitung aus dem Digital Eliteboard: FRITZ!Box 6591 vom Providerbranding entfernen. Da praktische alle Anleitungen und Forenbeiträgen davon ausgehen, dass man Windows verwendet, musste ich etwas umdenken. Hier folgt die Anleitung für das Debranding unter Linux.
Vorgehen
Folgende Schritte habe ich für das Debranding durchgeführt:
- Zuerst wird die FRITZ!Box direkt per LAN mit dem Laptop verbunden und eine FTP-Verbindung zum ADAM2-Bootloader aufgebaut.
- Über diese FTP-Verbindung wird ein vorbereitetes Freetz-Image auf die passenden MTD-Partitionen geschrieben.
- Nach dem Neustart startet die Box mit Freetz, wodurch man per Webinterface und SSH Zugriff auf das System bekommt.
- Über diesen Zugriff wird der vorhandene Flash gesichert, insbesondere der Bootloader.
- Anschließend wird im gesicherten Bootloader das Provider-Branding entfernt und die bearbeitete Datei wieder auf die Box kopiert.
- Danach wird der angepasste Bootloader zurückgeschrieben.
- Zum Schluss wird das AVM-FRITZ!OS-Image auf die Box kopiert und per Freetz installiert.
Nach dem abschließenden Firmware-Switch startet die FRITZ!Box wieder mit einem normalen AVM-Image.
1. FTP-Verbindung zum Bootloader
Zuerst habe ich den Laptop per Netzwerkkabel direkt mit der FRITZ!Box verbunden. Danach habe ich die Box mit Strom versorgt und gewartet, bis alle LEDs gleichzeitig aufgeblinkt haben. Zu diesem Zeitpunkt startet der Bootloader einen FTP-Server über den man eine neue Firmware flashen kann.
Die Verbindung erfolgt gegen 192.168.178.1:
ftp 192.168.178.1
Die Zugangsdaten für die FTP-Verbdindung sind:
user:adam2
pass:adam2
2. Freetz installieren
Nach dem Login habe ich zuerst festgelegt, von welchem Linux-Dateisystem gestartet werden soll, und den Flash-Modus aktiviert:
quote setenv linux_fs_start 0
quote MEDIA FLSH
binary
Jetzt braucht es ein Freetz image. Das kann man selber bauen. Oder nimmt das fertig gebaute und entpackte Image aus dem Digital-Eliteboard-Resource-Bereich, das man mit 7-Zip entpackt.
Die vier Dateien aus dem entpackten Freetz-Image werden auf die passenden MTD-Partitionen geschrieben:
put part_03_ATOM_ROOTFS.bin mtd0
put part_02_ATOM_KERNEL.bin mtd1
put part_09_ARM_ROOTFS.bin mtd6
put part_08_ARM_KERNEL.bin mtd7
Anschließend habe ich die Box neu gestartet und die FTP-Sitzung beendet:
quote reboot
bye
Freetz starten und SSH aktivieren
Nach dem Neustart war das Freetz-Webinterface unter folgender Adresse erreichbar: http://192.168.178.1:81/
Dort habe ich Dropbear gestartet, damit ich mich per SSH verbinden konnte.
ssh root@192.168.178.1
Das Passwort ist freetz.
Falls Freetz direkt ein neues Passwort erzwingt, kann man es für diesen temporären Schritt wieder auf freetz setzen.
Das ist nur sinnvoll, solange die Box isoliert am Laptop hängt und nicht produktiv im Netz steht.
Flash und Bootloader sichern
Bevor ich irgendetwas am Bootloader verändert habe, habe ich alle MTD-Blockdevices auf den internen FTP-Speicher gesichert:
for f in /dev/mtdblock*; do dd if=$f of=/var/media/ftp/`basename $f`; ls -1 /var/media/ftp/`basename $f`; done
Zusätzlich habe ich den Bootloader separat als bootloader.bin gesichert:
cat /dev/mtdblock3 > /var/media/ftp/bootloader.bin
Danach habe ich mich vom Laptop aus mit der SMB-Freigabe verbunden:
smb://192.168.178.1
Von dort habe ich alle Dateien heruntergeladen und gesichert.
Branding im Bootloader ändern
Die Datei bootloader.bin habe ich in hexed.it geöffnet.
Dort habe ich den Wert kdg bei firmware_version zu avm angepasst, um das Provider-Branding zu entfernen.
Außerdem habe ich den Wert nbei rtl zu y geändert, um Updates zu ermöglichen.
An dieser Stelle ist wichtig, die Struktur der Datei nicht zu verschieben.
In einem Hex-Editor bedeutet das: Werte überschreiben, aber nichts einfügen oder löschen.
Dass rtl und avm beide drei Zeichen lang sind, ist hier hilfreich.
Die bearbeitete Datei habe ich wieder als bootloader.bin gespeichert und anschließend zurück auf die SMB-Freigabe der FRITZ!Box kopiert.
Originales AVM-Image vorbereiten
Als Nächstes habe ich das originale AVM-Image aus dem AVM-Downloadbereich download.avm.de/fritzbox/fritzbox-6591-cable/deutschland/fritz.os/ heruntergeladen und mit 7-Zip entpackt.
Aus dem entpackten Image habe ich die Datei firmware-update.uimg genommen und ebenfalls auf die SMB-Freigabe der FRITZ!Box kopiert.
Auf der Box lagen danach also mindestens diese beiden Dateien:
/var/media/ftp/bootloader.bin
/var/media/ftp/firmware-update.uimg
Bootloader schreiben und AVM-Firmware installieren
Der letzte Schritt lief über wieder über SSH in Freetz. Dort habe ich zuerst den geänderten Bootloader zurückgeschrieben:
cat /var/media/ftp/bootloader.bin > /dev/mtdblock3
Danach habe ich das originale AVM-Image installiert:
/sbin/burnuimg /var/media/ftp/firmware-update.uimg || echo FAILED
Wenn FAILED ausgegeben wird, sollte man nicht einfach weitermachen, sondern zuerst prüfen, warum burnuimg fehlgeschlagen ist.
Bei mir lief der Befehl durch.
Zum Schluss habe ich den Firmware-Switch und Neustart angestoßen:
/bin/aicmd pumaglued uimg switchandreboot
Nach dem Neustart kam die Box mit dem originalen AVM-FRITZ!OS hoch.